Belgrad kulinarisch: Grillteller

Belgrad kulinarisch: Grillteller reloaded

Letzte Woche habe ich Urlaub im Mutterland des Hackfleischs gemacht und festgestellt, dass Belgrad kulinarisch weit mehr zu bieten hat als Grillteller und Cevapcici.

Einige von euch können sich sicher noch an die riesigen Grillteller in jugoslawischen Restaurants erinnern – in meiner Kindheit und Jugend hatte ich einige davon. Cevapcici, Pljeskavica und ein Steak, dazu Pommes, Zwiebeln und Djuvec-Reis. Das alles (bis auf den Reis) findet man auch in der serbischen Küche – aber eben nicht nur. Ich war eine Woche in Belgrad und hatte reichlich Gelegenheit zum Testen.

Tag 1: Baden am Save-Strand, anschließend Cevapcici mit Kajmak
Meine kulinarische Neuentdeckung heißt Kajmak, ein in Serbien und anderen Balkanländern sehr beliebter Frischkäse. Mit Kajmak kann man Pljeskavica füllen, ihn zu Cevapcici servieren – oder ihn einfach zu Brot und frischen Tomaten essen. Unglaublich lecker, je reifer er ist, desto besser! Ich hoffe sehr, dass es ihn auch hier zu kaufen gibt, ansonsten habe ich hier ein Rezept gefunden, wie man Kajmak selber machen kann.

Cevapcici mit Kajmak
Meine kulinarische Neuentdeckung in Serbien: Kajmak – hier auf Cevapcici.

Tag 2: Innenstadt, Festung und Schopska-Salat
Temperatursturz von 35 auf 20 Grad, das richtige Wetter für eine Stadtrundfahrt mit dem Bus. Leider fuhr der nicht. Nicht zur angekündigten Zeit und auch nicht danach. In der Touristen-Information erfuhren wir den Grund: Das Busunternehmen fährt nicht nach Fahrplan, sondern nach Wetter. Bei schlechtem Wetter gar nicht und bei gutem Wetter nach Lust und Laune. Von der Recherche nach Abfahrtszeiten im Internet wurde uns ebenfalls abgeraten. Die Homepages würden leider nicht aktualisiert. Einzige Chance also die Buchung bei der Touri-Info. Oder die Erkundung der Stadt auf eigene Faust, was wir dann auch getan haben.

Einfach und lecker: Schopska-Salat
Einfach und lecker: Schopska-Salat

Durch die schön restaurierte Fußgängerzone ging es Richtung Belgrader Festung – beides sehenswert! Kulinarisch gab es an diesem Tag zum ersten Mal (und danach jeden, aber wirklich jeden Tag): Schopska-Salat. So einfach wie lecker: Tomaten, Gurken, Paprika, darüber reichlich geriebenen Schafskäse. Einfach mit Essig, Öl, Salz und Pfeffer anmachen – ein Traum.

Tag 3: Novi-Sad, Bohnensuppe und endlich ein Grillteller
Am dritten Tag ging es in die zweitgrößte Stadt Serbiens. Novi-Sad ist eine gute Zugstunde von Belgrad entfernt und definitiv einen Ausflug wert. Eine schöne Studentenstadt, wesentlich ruhiger und beschaulicher als die Hauptstadt. Und mit jeder Menge Restaurants. Zeit also für den ersten Grillteller des Urlaubs, zu dem es selbstverständlich auch einen Schopska-Salat gab. Was es zu einem Grillteller in Serbien übrigens niemals gibt, ist Djuvec-Reis. Das ist eine Erfindung deutscher Balkan-Restaurants. In den Balkan-Ländern selbst gibt es lediglich ein Eintopfgericht mit Fleisch und Reis, das Djuvec heißt, nicht den Reis als Beilage.

Auch das, was man hierzulande als serbische  Bohnensuppe bekommt, hat mit dem Original wenig zu tun. Das besteht nur aus großen weißen Bohnen, nicht aus der hier verbreiteten Mischung aus weißen, roten und braunen Bohnen. Zum Nachtisch gab es selbstgemachte Zwetschgenknödel. Es gibt ja schließlich nicht nur herzhaftes in Serbien…

selbstgememachte Zwetschgenknödel
Selbstgemachte Zwetschgenknödel

Tag 4: Donau-Radweg, Novi-Beograd und Gulasch
Auch am vierten Tag unserer Reise gab es einen Klassiker: Gulasch mit Kartoffelpüree. Zugegeben, bei inzwischen wieder knapp 30 Grad und auf einem Restaurantschiff an der Donau sitzend, kam ich mir beim Bestellen ein bisschen komisch vor. Aber ich hatte ja schließlich einen Auftrag zu erledigen… und hab über das leckere Gulasch glatt vergessen, ein Foto zu machen.

Tag 5: Fahrrad-Tour an der Save und Pljeskavica
Das Radfahren an Save und Donau entlang hat so viel Spaß gemacht,dass wir die Fahrräder direkt noch einen weiteren Tag behalten haben, um die Halbinsel Ada Ciganlija zu erkunden. Auf der einen Inselseite haben die Belgrader ihre Hausboote liegen oder ihre Datschen ans Wasser gebaut, alles sehr entspannt, naturnah und wunderschön. Auf der anderen, stadtnäheren Seite liegt – weniger ruhig, aber auch sehr schön – der Save-Strand. Verhungern muss hier keiner, dafür sorgen die zahlreichen Imbisse und Strandrestaurants, die neben Thai-Food (ja, tatsächlich!) vor allem Cevapcici, Hacksteak (Pljeskavica), Maiskolben und Palatschinken (Palacinka) anbieten.

Pljeskavica
Pljeskavica gefüllt mit Kajmak – davon werden mindestens zwei satt!

Tag 6: Sava-Kathedrale, Tito-Mausoleum und Sarma
Am letzten Tag unserer Reise habe ich durch den Besuch des Tito-Mausoleums und Museums für jugoslawische Geschichte einen spannenden Einblick in die jüngere Geschichte des Landes bekommen. Und am Abend mein kulinarisches Highlight der serbischen Küche gegessen: Sarma – mit Reis und Hackfleisch gefüllte Kohlrouladen. Unglaublich lecker! Zugegeben, als ich als allererstes das Stück Bauchfleisch sah, das auf den Rouladen lag, wurde mir schon ein bisschen anders. Aber das muss man ja nicht mitessen, zum Geschmack des ganzen hat es sicherlich seinen Teil beigetragen!

Sarma - gefüllte Kohlrouladen
Sarma – mein kulinarisches Highlight, auch wenn es nicht so aussieht.

Am siebten und letzten Tag haben wir dann noch einmal versucht, eine Stadtrundfahrt zu machen. Die wurde allerdings abgesagt. Vielleicht war das Wetter diesmal zu gut? Ich werde es nie erfahren. Belgrad wird mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben. Nicht nur, aber auch wegen der unglaublich leckeren Hausmannskost, die man dort bekommt. Den Gedanken, wo das Fleisch herkommt und unter welchen Bedingungen es produziert wird, habe ich zugegebenermaßen mal für eine Woche am Flughafen abgegeben.

Das Hackfleisch zum Nachkochen werde ich dann auch wieder brav beim Bio-Metzger kaufen. Ich weiß allerdings nicht, wann das sein wird. Denn auch eine Woche nach meiner Rückkehr kann ich mir noch nicht vorstellen, jemals wieder Fleisch zu essen…

 

2 Comments

  • Kleiner Trost zur mutmaßlichen Fleischqualität Eurer Balkangenüsse: schlechter als die des deutschen Billigfleisches kann es womöglich nicht gewesen sein.
    Und Wunsch fürs nächste Mal: ein Wurstbericht 🙂
    LG, Kristina

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